Der Almbach – oder ein verlorenes Paradies (Teil 1)

Der Ursprung des Almbachs liegt im Hintersee, einem kleinen, malerischen Gebirgssee im österreichischen Salzkammergut. Seine Ufer sind praktisch unverbaut, es gibt wenig Tourismus und auch kaum Landwirtschaft drum herum.

Hintersee

Der idyllische Hintersee

Doch der Schein trügt, denn der Wasserspiegel des so naturbelassen erscheinenden Sees wird künstlich reguliert. Bereits hier pumpt die Salzburg AG Wasser ab um es dem Kraftwerk Strubklamm über einen 4,5 km langen Druckstollen zu zuführen.

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klares Wasser, doch ganz rechts im Bild ist bereits die Pumpstation erkennbar

Am Nordostufer verlässt der Almbach den See und fließt in einer großen Schleife nach Osten hinunter ins Wiestal. Im Laufe der Zeit hat sich der Fluss seinen Weg zwischen den Bergen durchgebahnt. Das Ergebnis ist eine spektakuläre, bis zu 100 Meter tiefe, enge Schlucht, die Strubklamm.

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Abfluss oder Zufluss?

So war es zumindest früher einmal. Heute, bereits nach 300 Metern ein Hindernis. Ein Wehr versperrt dem Almbach den Weg. Kurz davor mündet jedoch der Brunnbach in den aufgestauten Almbach. Dies führt zu einer seltsamen Kapriole. Anstatt, dass das Wasser aus dem See hinaus fließt, kehrt sich das Ganze um, und das Wasser aus dem Brunnbach, fließt durch das aufgestaute Bett des Almbaches in den See hinein. Sinn und Zweck dieses Konstrukts ist natürlich, dass der See genug Wasser zum Abpumpen behält. So wurde der natürliche Gebirgssee in einen Speichersee umgewandelt mit einem zweiten Zufluss und ohne natürlichem Abfluss.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Lediglich eine kleine Restwassermenge darf im ursprünglichen Flussbett seinen Weg fortsetzen.

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Restwasser kurz nach dem ersten Wehr. Wassertiefe weniger als 10 cm.

Nach etwa einem Kilometer erhöht sich die Wassermenge wieder – durch das Abwasser einer Kläranlage. Hier werden auch bereits die Auswirkungen der nächsten Wehrmauer spürbar.

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Strüblweiher

Der Strüblweiher nimmt nicht nur den Almbach, sondern auch den am linken Ufer einmündenden Weißenbach auf.

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Auch der Weissenbach darf nur bis hierher fliessen

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Wehranlage Strüblweiher, links unterhalb des Gebäudes sieht man den Ausleitungsschacht

Von hier geht es wiederum mit einer kleinen Restwassermenge weiter, während der größte Teil abermals unterirdisch ausgeleitet wird. Unmittelbar hinter dem Wehr durchfließt der Almbach das „Felsenbad“. Wie der Name bereits sagt, hat sich der Fluss an dieser Stelle bis auf den felsigen Untergrund durchgewühlt, ihn frei gelegt und abgeschliffen. Im Sommer ist dies ein beliebtes Naherholungsgebiet für Einheimische und Insider. Immer wieder gibt es – wie so oft an solchen Orten – Probleme mit dem dort liegen gelassenen Abfall.

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Das Felsenbad, trotz Schneeschmelze bleibt nur ein kleines Rinnsal

Das Flussbett wandelt sich bald darauf wieder in Schotter und der Almbach – besser gesagt das Restwasser – darf frei fließen. Für etwas mehr als einen Kilometer. Denn dann mündet der Almbach in den Speichersee Strubklamm. Hier ist Endstation. Die Strubklammsperre ist eine Talsperre ohne Restwasser.

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Endstation Strubklammsperre

Sämtliches Wasser wird wiederum unterirdisch direkt dem Kraftwerk Strubklamm zugeführt. Und dies bereits seit 1924.

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Allerdings hat dieser Stausee ein Problem. Er ist undicht! Das Oberflächenwasser sickert kontinuierlich ins Grundwasser, so dass die Verlandung schon ziemlich weit fortgeschritten ist.

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Deutlich zu sehen, die fortschreitende Verlandung des Strubklamm Speichersees

Dies war der Grund, warum der gesamte Kraftwerkskomplex Anfang der 80er Jahre umgebaut wurde, mit all den gravierenden Eingriffen in den natürlichen Wasserhaushalt. Seither ist der Hintersee zum Stausee degradiert und der Flussabschnitt bis zur Strubklammsperre nur noch ein Rinnsal.

Das Wasser des Almbaches und seiner Nebenflüsse wird also nun gleich an drei Stellen ausgeleitet und durch unterirdische Rohrleitungen dem Kraftwerk zugeführt. Am Hintersee, am Strüblweiher und am Speichersee Strubklamm.

Die Kraft des Wassers wird in 15 MW Kraftwerksleistung umgewandelt und daraus werden ca. 41 Mio. kWh Strom pro Jahr erzeugt.

Dies entspricht in etwa der Leistung eines Laufkraftwerkes der Salzach, in die der Almbach letzten Endes sein Wasser einbringt. Die jährliche Stromerzeugung beträgt jedoch nur die Hälfte eines Laufkraftwerkes mit vergleichbarer Leistung, da Wasser aus dem Speicher, im Gegensatz zu Flusswasser, ja nicht unbegrenzt zur Verfügung steht.

Auswirkungen auf den Hintersee:

Seit der Nutzung als Speichersee kommt es zu enormen Wasserstandschwankungen, die bis zu 13 (!) Metern betragen können. (Der See ist maximal 21 Meter tief.) Dies, und die Tatsache, dass es durch das Aufstauen zu einer zunehmenden Verschlammung kommt, hat schwerwiegende Auswirkungen auf das Ökosystem. Zudem erwärmt sich der See nun auch viel schneller als vor 1983, da nur das kältere Tiefenwasser ausgeleitet wird, während das wärmere Oberflächenwasser verbleibt.

Der Leitfisch des Hintersees war seit jeher der Seesaibling. Bei einer wissenschaftlichen Untersuchung wurde 2006 jedoch festgestellt, dass sich weder der Seesaibling noch die Bachforelle reproduzieren können, und sie nur noch aufgrund von künstlichem Besatz durch Fischereivereine überhaupt vorkommen. Ähnliches gilt für die Seeforelle. Hauptsächlich sind Flussbarsche und Rotaugen zu finden, jedoch fehlen auch bei ihnen immer wieder jene Jahrgänge, in denen der Pegelstand zur Laichzeit sehr niedrig war. Von diesen beiden Arten weiß man, dass sie sehr anpassungsfähig sind. Wenn sie also den Hauptbestandteil der Biomasse eines Gebirgssees bilden, dann ist dies ein deutlicher Hinweis, dass das Ökosystem geschädigt und aus dem Gleichgewicht geraten ist.

Man glaubt es kaum, wenn man am See mit seinem klaren Wasser steht. Doch nicht nur Verschmutzung kann der Natur den Gar aus machen. Der Mensch hat viele Wege dafür gefunden.

Auswirkungen auf den Almbach:

K.O.-Schlag! Seines Wassers beraubt bietet er im Oberlauf keine Grundlage mehr für höheres Leben. Dies wird sich erst im Mittellauf wieder ändern.

Was bleibt ist die Frage, warum für ein Zehntel der Stromproduktion eines mittleren Flusskraftwerks ein einzigartiges Ökosystem zerstört werden musste. Denn die Leidensgeschichte des Lebensraumes „Almbach“ geht in Teil 2 noch weiter und wird sogar noch schlimmer, wie auch hier zu sehen ist.

Und das schlimmste daran: Der Almbach ist kein Einzelschicksal, sondern die Regel. So findet man in ganz Österreich (in Deutschland und der Schweiz wird es nicht anders sein) nur noch ganz wenige Gebirgsflüsse, die nicht wasserkrafttechnisch genutzt werden. Aber sogar diese sind durch Kraftwerkspläne bedroht.

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Comments
7 Responses to “Der Almbach – oder ein verlorenes Paradies (Teil 1)”
  1. paleica sagt:

    die fotos sind sehr schön. leider ist halt jede form der energieerzeugung in irgendeiner art und weise schädlich für die umwelt.

    • glex73 sagt:

      Hallo und vielen Dank für deinen Kommentar,

      genau, du triffst es auf den Punkt. Jede Form der Energieerzeugung belastet die Umwelt. Ob dies nun Solarzellen sind, bei deren Herstellung große Mengen hochgiftiger Sondermüll anfällt, Windkrafträder, die unsere Landschaften verunstalten und nebenbei noch eine große Gefahr für Vögel darstellen, oder eben Wasserkraft, die die Lebensadern unserer Erde, unsere Flüsse, zerstört. Von anderen Energieträgern, wie fossilen Brennstoffen oder Atomkraft, kennt ohnehin jeder die Probleme und Gefahren.
      Meine Bilder und Texte verstehe ich daher auch als mahnende Beispiele. Denn unter dem Deckmantel des Klimaschutzes läuft zur Zeit ein Wettrennen um die letzten natürlichen Ressourcen unseres Planeten. (Da kann ich nur die Dokumentation „Climate Crimes“ auf youtube wärmstens empfehlen!)
      Und letztlich geht es darum, dass wir bereits mehr als genug Kraftwerkskapazitäten haben. Bei all den neuen Kraftwerken, die derzeit geplant oder bereits im Bau sind, geht es nicht um die Befriedigung der Bedürfnisse nach Strom für die Bevölkerung, sondern einzig und allein um den Profit, den die Energiekonzerne damit erwirtschaften, indem sie mit ihren Kraftwerkskapazitäten auf der Strombörse Handel betreiben können. Und weil unser gesamtes Wirtschaftssystem nunmal einem künstlichen Wachstumszwang unterliegt, muss die Energiewirtschaft genauso mitwachsen. Mit anderen Worten, je mehr Strom wir verbrauchen, desto besser für die Wirtschaft aber umso schlechter für die Umwelt.
      Ein perverses System wie ich finde!
      Soetwas wird aber weder von der Energiewirtschaft selbst, noch von Politik oder Massenmedien jemals öffentlich angesprochen werden. Ganz im Gegenteil. Jahrelang wird bereits Panik verbreitet, dass unsere gesamte Stromversorgung kurz vor dem Zusammenbrechen sei und nur mit Mühe und Not noch aufrecht erhalten werden kann. Nur, gemerkt hat davon noch niemand etwas, außer dass die Konzerne immer größer und Strommasten immer zahlreicher werden.
      Mir geht es in erster Linie darum, ein Bewußtsein für diese Zusammenhänge zu schaffen.

      • paleica sagt:

        es ist leider ein riesenjammer, was medial und politisch verbrochen wird. das mag jetzt übertrieben klingen, aber genau diese frustration hat mich dazu bewogen, meinen blog zu führen – ein stückchen zeit und raum, wo man sich mehr mit den schönen dingen des lebens beschäftigen kann, weil es soviel gibt, das einen traurig und wütend macht, wenn man sich umschaut.

      • glex73 sagt:

        Anscheinend decken sich unsere Beweggründe… Fast 10 Jahre bringe ich mittlwerweile damit zu, schöne Dinge und Emotionen in Bildern festzuhalten. Doch mittlerweile ist mir klar geworden, dass man auch die hässlichen Dinge ansehen muss, um die schönen erst wieder so richtig bewußt wahrnehmen zu können.

        Zeit und Raum für schöne Dinge zu schaffen, das ist dir mit deinem Blog sehr gut gelungen. Das Design finde ich sehr schön und deine Fotos tragen bereits eine richtige Handschrift wie ich finde. Etwas, das mir bisher noch nicht so richtig gelungen ist…

      • paleica sagt:

        das stimmt natürlich. obwohl die hässlichen, die drängen sich einem so oft auf und bestimmen dann das ganze leben (bei mir passiert das leicht) – ich muss immer die schönen seiten suchen um sie mir ins bewusstsein zu rufen.

        danke für deine lieben worte zu meinem blog. das freut mich natürlich sehr. selbst ist das glaube ich immer schwer abzuschätzen, da man sich ja mit eigenen augen immer anders sieht 🙂

  2. Der Seher sagt:

    Interessanter Bericht – und sehr gute Aufnahmen.

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