Der Almbach – oder ein verlorenes Paradies (Teil 2)

Im zweiten Teil  dieser Bilddokumentation verfolgen wir den Almbach auf seinem Weg durch die Klamm bis zur nächsten Talsperre.

 

Nochmals zur Erinnerung, meine Berichte sind als mahnende Beispiele dafür zu sehen, dass wir drauf und dran sind unsere letzten Naturlandschaften im Namen des Klimaschutzes zu opfern, und uns dadurch endgültig von der Natur, der einzigen Lebensgrundlage die wir haben, abzuschneiden. Was danach übrig bleibt ist Natur aus zweiter Hand in künstlich generierten Landschaften. Natur, reduziert auf einige wenige Lebensformen, die sich entweder als besonders anpassungsfähig erweisen, oder nur aufgrund aufwändiger Sanierungsmaßnahmen, also durch fortwährende Geburtshilfe durch den Menschen, noch existieren können.

 

Geendet hat Teil 1 an der Strubklammsperre. Sie stellt den Eingang in die Strubklamm dar, einer wildromantischen Schlucht, die das Wasser des Almbaches im Laufe der Jahrtausende seit der letzten Eiszeit ausgespült hat. An manchen Stellen ist dieser Canyon mit seinen fast senkrecht abfallenden Felswänden einhundert Meter tief.

An der Stelle, an der nun die Staumauer steht, muss das Wasser einst über einen mächtigen Wasserfall oder zumindest über beeindruckende Kaskaden in die Schlucht gestürzt sein.

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Der Eingang in die Strubklamm, von der Staumauer aus (stark eingezoomt)

Heute gelangt hier kein Tropfen Wasser des Almbaches mehr hinein. Wie in Teil 1 beschrieben, wird es anderweitig abgeleitet. Und so finden sich im oberen Teil der Klamm gerade mal ein paar vom Regenwasser gespeiste Tümpel.

 

Doch von den Berghängen um die Schlucht ergießen sich vielerorts kleinere Rinnsale über die Felswände. Es sind keine großen Bäche, nur Sickerwasser aus den Wäldern. Vielerorts macht es den Eindruck als ob die Felswände bluten würden.

Schließlich, im unteren Bereich der Klamm, schaffen es diese kleinen Gerinne wieder das Wasser im Bett des Almbaches zaghaft zum Fließen zu bringen.

Die ganze Klamm und die darüber liegenden Wälder stehen heute unter Natur- bzw. Landschaftsschutz. Ein bedeutendes Vogelbrutgebiet sollen die Wälder sein. Aber unten in der Schlucht nur kahle Felswüste.

Gut ich will nicht alles schlecht reden, denn man darf auch den Blick für das Schöne und Positive nicht verlieren. Man muss immer beides betrachten, denn wo Schatten ist, muss auch Licht sein.

Und so sollen die folgenden Fotos einen kleinen Eindruck über die Schönheit der Landschaft mit ihren urwaldartigen Bergwäldern hoch über der Klamm liefern.

Nach fast drei Kilometern hat der Almbach diese Engstelle überwunden.

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Das letzte Felsenbecken beim Ausgang der Klamm

Das Flussbett wandelt sich in das für Gebirgsflüsse typische Schotter- bzw. Kiesbett.

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Die große Wassermenge täuscht, doch die glatte Wasseroberfläche verrät es: Der Abfluss aus diesem natürlichen Becken ist nur ein kleines Rinnsal.

Kurz darauf mündet von rechts der Schwarzaubach und füllt das Flussbett wieder mit frischem Wasser.

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Mündung des Schwarzaubaches – hier kommt die Sache wieder richtig in Fluss

Wir befinden uns jetzt im Mittellauf. Einige Hundert Meter lang darf der Fluss an dieser Stelle erstmals Fluss sein. Sofort ändert sich der Fließcharakter komplett. Plötzlich findet man langgezogene Schotterbänke und verzweigte Seitenäste die mit dem üppigen Auwald rings herum kommunizieren.

Hier, südlich der Ortschaft Ebenau, findet sich wohl die einzige naturbelassene Fließstrecke des Almbachs. Nicht zu vergessen aber, dass das Almbachwasser selbst immer noch nicht wieder eingespeist wurde und es sich zum größten Teil um das Wasser aus dem Schwarzaubach handelt.

Kurz darauf dann das Kraftwerk Strubklamm am linken Ufer.

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altes Kraftwerksgebäude aus den 1920er Jahren…

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neues Kraftwerksgebäude aus den 1980er Jahren… sieht doch gleich viel besser aus!

 

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Jetzt bekommt der Fluss endlich sein Wasser zurück! Aber nur wenn gerade Stromspitzen abgedeckt werden müssen. Dieser Schwall/Sunkbetrieb bedeutet die nächste Keule für den Almbach, setzt es das Ökosystem doch unter enormen Druck, indem ständig, in kurzen Abständen, wann immer eben Strom benötigt wird, Hochwasser-Situationen herbeigeführt werden.

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Der Wasserschwall aus dem Kraftwerk während der Stromproduktion…

Unmittelbar nach der Einleitung findet sich gleich die nächste ökologische Katastrophe. Das Wasser ergießt sich in den nächsten Stausee, den Wiestalstausee.

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nur einhundert Meter hinter dem Kraftwerk beginnt nach der Straßenbrücke der Wiestalstausee

Grund dafür ist die Wiestalsperre, die auf einer Länge von über 3,5 km das ganze Tal unter Wasser gesetzt und somit eine fjordartige Landschaft geschaffen hat. Zugegeben, es sieht ja ganz nett aus so ein blauer See, eingekesselt von dicht bewaldeten Berghängen. Natur pur, möchte man meinen. Doch wenn man genauer hinsieht, kommen da schon einige Zweifel. Und auch dieser See unterliegt als reiner Speichersee sehr starken Schwankungen seines Wasserspiegels.

Hier einige Impressionen:

Direkt an der Wiestallandesstraße gelegen, also sehr gut zugänglich, kann man hier live die Auswirkungen eines Stausees verfolgen.

Während der Einmündungskanal des Almbaches noch ein typisches Schotterbett aufweist, findet man seitlich davon auf breiter Front etwas, das es hier eigentlich nicht geben dürfte. Die Fließgeschwindigkeit eines Gebirgsbaches ist zu hoch, als dass sich feines Sediment im Bett ablagern könnte. Es würde sofort weggespült werden. Unterbindet man den Fluss, etwa durch eine Talsperre, so wirkt der künstlich erzeugte Stausee wie ein riesiges Setzbecken. Die feinen Sedimente können sich zu gewaltigen Schlammschichten ablagern. Die autochthonen (also einheimischen) Fischarten finden in solcherart veränderten Lebensräumen keine Möglichkeit mehr sich zu reproduzieren, da sie dazu die seit Urzeiten vorherrschenden Kies- und Schotterböden benötigten. Der Sunk- und Schwallbetrieb oberhalb der Einmündung trägt das seine dazu bei, dass auch hier kaum ein Jungfisch überleben kann. Nur durch künstliche Besatzmaßnahmen aus der Fischzucht kann ihr Bestand aufrecht erhalten werden, und macht das Wiestal zu einem Eldorado für Angler.

Hinzu zu dieser regional beschränkten Katastrophe gesellt sich eine weitere, unsichtbare aber mit weitreichenden Konsequenzen. Es gibt keinen Sauerstoff in diesen Schlammschichten. Die gesamte Biomasse, die abstirbt und auf den Schlammboden sinkt, wird durch anaerobe Fäulnisprozesse zersetzt. (Dazu zählen auch tonnenweise Blätter jeden Herbst.)  Dabei bildet sich Methan. Der Prozess gleicht dem der Entstehung unserer heutigen Erdöl- und Erdgaslager vor Millionen von Jahren. Methan ist ein Treibhausgas, 33 mal so stark wie CO2.

Schlamm und Schlick überall wo man hintritt. Dabei ist der Wiestalsee ein Stausee mit vergleichsweise sehr wenig Schlamm.

 

Wasserkraft sei saubere, umweltfreundliche Energie und schütze unser Klima. Gebetsmühlenartig wird uns dieser Slogan von der Wasserkraftlobby eingetrichtert, und die Politik ist längst auf diesen Zug aufgesprungen. Frei nach Oliver Hassencamp: „Immer wieder behauptete Unwahrheiten werden nicht zu Wahrheiten, sondern, was schlimmer ist, zu Gewohnheiten.“

Ich halte es da lieber mit Laotse: „Wahre Worte sind nicht schön, schöne Worte sind nicht wahr.“

Wasserkraft ist keine saubere Energie. Sie zerstört unsere Flüsse, die Lebensadern dieses Planeten. Und sie ist keineswegs klimaneutral. Das Phänomen der Methanbildung wird – obgleich schon lange bekannt – erst seit kurzem überhaupt diskutiert. Daher ist die Wissenschaft auch über die Grundlagenforschung noch nicht weit hinaus gekommen. Großflächige, quantitative Messungen finden jedenfalls noch nirgends statt und sind wahrscheinlich auch nicht erwünscht! Schließlich könnte das doch die lupenreine Klimaweste der Wasserkraft stark beschmutzen.

Aber irgendwo muss unser (elektrischer) Strom ja herkommen, sollen wir etwa wieder Atomkraftwerke bauen?“ Eine Frage, die sich in jeder Diskussion sofort als nächstes stellt.

Dabei wäre die Lösung so einfach, wenn man nur die richtigen Fragen stellte. Und die lautet nicht, wo der Strom herkommt, sondern wo er hingeht! (vgl. auch „Energiewahn“ auf www.wissensmanufaktur.net)

Was geschieht also mit dem ganzen Strom? Richtig, er wird an der Strombörse gehandelt. Die Energiekonzerne machen Profite mit dem Strom. Je mehr Strom sie im Vorhinein (Termingeschäfte!) absetzen können, ganz egal ob dieser dann wirklich gebraucht wird oder nicht, desto besser. Nicht der tatsächlich erzeugte Strom ist also von Bedeutung, sondern die vorhandenen Kapazitäten zu einem bestimmten Zeitpunkt. Nicht Umwelt- bzw. Klimaschutz sind daher die Triebfedern für den Ausbau der „erneuerbaren“ Energieträger, diese Plakette wird nur für eine größere Akzeptanz in der Bevölkerung angebracht, sondern Steigerung der Gewinne um die Aktionäre bedienen zu können.

Und schließlich unterliegt die Elektrizitätswirtschaft dem selben künstlich auferlegten Wachstumszwang wie unser gesamtes Wirtschaftssystem. Dies ist der eigentliche Grund für alle unsere zivilisatorischen Probleme. Doch dieses Thema würde den Rahmen hier bei weitem sprengen…

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Comments
4 Responses to “Der Almbach – oder ein verlorenes Paradies (Teil 2)”
  1. Der Seher sagt:

    Wie lange benötigte das Wasser um die Strubklamm zu schaffen? Tausende Jahre? Hundertausende? Wie lange werden die Wasserkraftwerke überdauern? Ein paar dutzend Jahre? 😉
    Der künstlich auferlegte Wachstumszwang…ist der eigentliche Grund für alle unsere zivilisatorischen Probleme? Im Grunde Ja, doch auch das wird vergehen, und der Almbach wird weiterfließen…

    • glex73 sagt:

      Wenn man es so betrachtet… natürlich. 😉
      Trotzdem bin ich der Überzeugung, dass die Menschheit wieder zu ihren Wurzeln finden kann wenn erst genügend aufwachen und erkennen, dass es auch anders ginge…

      • Der Seher sagt:

        In der Theorie richtig, doch es hat seinen Grund warum der Volksmund sagt: „Wer nicht hören will, muß fühlen.“
        Nun, wer will denn schon hören? Ein paar, eine Handvoll und der große Rest reagiert zum Teil aggressiv, wenn das heile Weltbild Risse kriegen könnte.
        Meiner bescheidenen Meinung nach kommt dann eben alles so wie es kommen muß. Logischerweise. Die Menschheit gibt sich selbst so lange eins auf die Finger, bis sie endlich begreift warum das so ist.
        Ich bin in der Sache Optimist. Irgendwann dämmert es auch dem letzten, aber ohne einschneidende und schmerzhafte Veränderung wird es wohl nicht gehen.

        Viele Grüße
        S.P.D.

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  1. […] Teil 1 und 2 dieser Serie über den Almbach haben wir gesehen, welch beeindruckende Landschaften das Wasser im […]



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