Rettet die Schwarze Sulm

Heute mal keine Fotos!

Aus aktuellem Anlass will ich heute eines der vielen umstrittenen Wasserkraftwerksprojekte vorstellen.

Zur Situation:

Die Schwarze Sulm ist ein noch naturbelassener Fluss in der südlichen Steiermark. Von seinem Ursprung bis zum Ende der Schluchtstrecke im Tal kann man die Schwarze Sulm sogar als „natürlich“ bezeichnen. Ebenso die den Fluss begleitenden Hangwälder.

Daher ist es nicht verwunderlich, dass hier noch seltene und vom Aussterben bedrohte Tierarten wie Fischotter, Wasseramsel, Koppen oder Steinkrebse vorkommen, um nur ein paar zu nennen. Selten und vom Aussterben bedroht deshalb, weil nur noch etwa 4% (VIER Prozent) der österreichischen Flüsse als „natürlich“ gelten. Den Tieren geht schlicht und einfach der Lebensraum aus.

Aus diesem Grund wurde das ganze Gebiet auch als Natura 2000 Europaschutzgebiet ausgewiesen.

Foto: Plattform "Rettet die Schwarze Sulm"

Foto: Plattform „Rettet die Schwarze Sulm“

Doch der Profithunger der Wasserkraftlobby schreckt nun mal vor fast nichts zurück. Unter dem Deckmantel des „übergeordneten öffentlichen Interesses“ hat der private Kraftwerksbetreiber Peter Masser (= der Bösewicht in dieser Geschichte) einen Antrag für insgesamt 3 Kleinkraftwerke an der Schwarzen Sulm und ihren Nebenflüssen eingebracht.

Zwar hat das Umweltministerium das Projekt gestoppt, jedoch hat der von den Antragstellern angerufene Verfassungsgerichtshof den Baustopp wegen angeblicher formalbürokratischer Versäumnisse seitens der Behörden aufgehoben. Es darf also – vorerst – gebaut werden.

Doch sehen sich Herr Masser und Konsorten einem landesweiten Widerstand (= die Guten der Geschichte) in Form von Umweltschutzorganisationen wie dem WWF, der regionalen Bevölkerung, Fischereiorganisationen sowie vielen Prominenten, die diese Protestbewegung unterstützen, gegenüber. Sogar ein eigenes Protestcamp wurde eingerichtet. Dabei ist der Bösewicht sich nicht zu schade auch selbst gegen die lästigen Widerständler handgreiflich zu werden und sie sogar ihres Eigentums zu berauben. Ja, ja, als armer Kraftwerksbauer muss man eben nehmen was man kriegt.

Apropos Kraftwerksbauer:

Herr Masser ist lediglich Kleinunternehmer mit einer eigenen Holzfirma. Wie könnte er in der Lage sein, ein so großes Projekt zu finanzieren?

Das wird sofort klar, wenn man den Namen des zweiten Antragstellers liest: Alfred Liechtenstein. Auch bekannt als Prinz Alfred von und zu Liechtenstein, aus dem Hause Liechtenstein. Die Familie Liechtenstein besitzt dort ein großes Holzimperium. Somit dürfte wohl klar sein, woher die Kohle für das Projekt stammt. Entpuppt sich unser Bösewicht von oben nur als Handlanger eines noch größern Bösewichts? Gehen diese Leute nicht ins Kino, wissen die nicht, dass am Ende immer die Guten siegen?

…Leider eben nur dort… Denn es hat sich nichts geändert seit dem Mittelalter. Der Wohlstand der alten Adelshäuser kam immer dadurch zustande, indem man auf Güter und Ländereien, die Allgemeingut waren, einfach einen Besitzanspruch erhob. Genauso ist es heute. Man nimmt das Wasser eines Flusses, das niemanden gehört, oder wenn doch, dann allen Menschen gemeinsam, und erklärt es zu seinem Eigentum. In der Regel heissen die Adelshäuser unserer Zeit jedoch nicht mehr Liechtenstein oder Habsburg, sondern RWE oder Nestlé. Aber, wie man an diesem Beispiel wieder mal sieht, verstehen die alten Adelshäuser dieses Spiel auch heute noch zu spielen.

Ein übergeordnetes Interesse liegt also auf jeden Fall vor, aber bestimmt nicht für die Öffentlichkeit.

In den letzten Monaten fanden viele Sondierungsgespräche auf behördlicher Ebene statt, und sowohl die steirische Landesregierung, als auch Umweltminister Berlakovic könnten durch eine Weisung das Projekt jederzeit stoppen.

Derzeit laufen noch mehrere Verfahren, deren Ausgang man eigentlich noch abwarten wollte…

Doch am 6. September geschah etwas, womit niemand (oder vielleicht doch?) gerechnet hat. Trotz Bedenken aus dem Umweltministerium und der EU, trotz drohender Millionenklage durch den europäischen Gerichtshof wegen Verstosses gegen die Natura 2000 Agenda, erteilte die steirische Landesregierung unter LH Voves die Baugenehmigung.

Jetzt könnte nur noch der Umweltminister den Bau stoppen, wie auch immer der nach der Wahl in zwei Wochen heißen wird…

Für alle die sich näher über die Lage an der Schwarzen Sulm informieren oder vielleicht sogar einen Beitrag zu ihrer Rettung leisten möchten, hier einige Links:

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Comments
2 Responses to “Rettet die Schwarze Sulm”
  1. Das ist ja pervers! Haben diese Leute wirklich eine so große Lobby das Projekt gegen jeglichen öffentlichen Widerstand durchsetzen zu können? Das dürfte keinesfalls so sein. Es werden wieder Einhörner abwandern 😦

    • glex73 sagt:

      Ja, das ist zu befürchten. Aber das letzte Wort ist noch lange nicht gesprochen. Das tragische ist nur, dass in der Zwischenzeit eben gebaut werden darf und bereits Natur zerstört wird… schön pervers unser „Rechtsstaat“

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